Ziel ist die Präsentation eines Hörspiels im öffentlichen Raum mit dem Titel "goodbye gender", in dem die Identitäten der jugendlichen Projektteilnehmer*innen Thema sind. Junge Leute, die sich in der Zweigeschlechtlichkeit eingezwängt fühlen und dafür Vorbilder suchen sind eingeladen ihre eigenen Geschichten zu bauen. Innerhalb einer geschützten Gruppe findet ein Austausch statt über Geschlechteridentitäten und nonbinäre Selbstdefinitionen und die Hürden der gesellschaftlichen Anerkennung. Die Gruppe lernt sich kennen und liest gemeinsam mit der transgender-Theatertrainer*in Nic* Reitzenstein den Text "goodbye gender". Wir suchen Schnittstellen der Erfahrungshorizonte. Die Biografien sind schon im jungen Alter von Ausgrenzungen, Diskriminierungen und Selbstzweifeln, nicht richtig zu sein, geprägt. Aber auch von positiven Momenten, in denen die eigene homosexuelle oder transgender Identität Anerkennung gefunden hat und auf Gegenliebe gestoßen ist. Diese Gruppe ist ein safer space für lesbisch-schwul-trans* Jugendliche, die sich ihren eigenen Weg in der Gesellschaft suchen (müssen), weil es wenige Vorbilder gibt. Beziehungen, die in guten Familien unterstützend sind, fallen manchmal weg, weil Angehörige überfordert sind. Aus geteilten Erfahrungen und den Texten soll ein Hörstück entstehen, das die Jugendlichen selbst einsprechen und schneiden. Das Stück wird öffentlich aufgeführt

Wir erwarten eine gute Resonanz in Schulen, Interesse bei pädagogischen Angestellten, Sozialarbeitenden in Jugenzentren und bei Eltern und anderen Jugendlichen. Das Thema sexuelle Vielfalt ist im Ba-Wü-Bildungsplan verankert, wird jedoch oftmals im Schulalltag nicht umgesetzt. Wir möchten mit dem Hörstück einen leichten, authentischen Zugang schaffen.

Im Rahmen der Baden-Württembergischen Tagung zu LSBTTIQ wurde rückgemeldet, dass der Bildungsplan zu geschlechtlicher Vielfalt an Schulen oft nicht umgesetzt wird, weil Lehrer_innen vor dem Thema zurückschrecken oder überfordert sind. Die heranwachsenden Jugendlichen, die sich nicht binär identifizieren, das heißt nicht
eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugehörig fühlen, fordern oftmals selbst geschützte Räume oder eine dritte Toilette in der Schule ein. Darüber kommt das lesbische und schwule Begehren durch die Hintertür der trans-Identitäten an die Institutionen. Wir sehen, dass Jugendliche selbst die Themen angehen.

Im Rahmen der Produktion "Goodbye Gender" entsteht ein geschützter Rahmen für die offene Jugendgruppe, in dem sie - getragen von der Publikation "Goodbye Gender" - einen empowernden, offenen Umgang mit ihrer eigenen Identität und ihrem Begehren entwickeln, das sich jenseits von (zwangs-)heterosexuellen Normen befindet. Dabei kann durch die Alltagserzählungen ein utopischer Raum entstehen, in dem Geschlecht keine Rolle mehr spielt: "Goodbye Gender" soll diesen Raum eröffnen - mit einem ergebnisoffenen Ausgang.
Abhängig von den Teilnehmenden und ihren Bedürfnissen kann ein ganz unterschiedliches Stück dabei herausgekommen. Durch das Medium Hörstück/Radio steht die stimmliche Präsenz im Vordergrund - das Aussehen und oftmals damit verbundene Irritationen sind sekundär, bzw. nicht relevant. Das bietet einen Schutzraum, um sich zu entfalten, zu experimentieren und um vor einem künstlerischen Hintergrund die eigene - oft den Alltag beschwerende und existenziell beschränkende - Erfahrungen von Ablehnung im eigenen Leben hinter sich zu lassen und mit der Leichtigkeit einer geteilten Fiktion zu füllen.

Gefördert durch Fonds Soziokultur